Über Facebook wird in dieser Woche wieder viel diskutiert, zumindest in der Medienbranche. Und das nicht etwa aufgrund neuer AGB oder eines Datenschutzproblems, sondern weil ausgewählte Publikationen ab sofort ihre Inhalte auf Facebook hosten können. Instant Articles nennt Facebook diesen Service, der für die Leser vor allem einen Vorteil bringen soll: kürzere Ladezeiten. Im Vergleich zu den herkömmlich verlinkten Artikeln auf den Webseiten der jeweiligen Medien sollen die Wartezeiten bis zu zehn mal kürzer sein, wie Facebook in einem Blogpost schreibt. Dieser Geschwindigkeitsvorteil macht sich tatsächlich deutlich bemerkbar, wie der Videovergleich zeigt (links ein Instant Article, rechts ein herkömmlicher Artikel).

Die in den mobilen Apps des sozialen Netzwerks[footnote]Derzeit wird nur die iOS-App unterstützt; Android soll folgen[/footnote]  funktionierenden Instant Articles können neben Text auch Bilder mit Audio-Beschreibungen und automatisch abspielende Videos beinhalten. Zudem ist es möglich, einzelne Abschnitte der Artikel mit ‚Gefällt mir‘ und Kommentaren zu versehen.

Was bedeutet das für die Inhalteanbieter?

Die teilnehmenden Medienhäuser, zu denen beim Start unter anderem The New York Times, Buzzfeed, BBC, The Guardian und in Deutschland Spiegel Online und Bild gehören, können in den Instant Articles selbst Werbung schalten und deren gesamte Einnahmen behalten, oder sie nutzen Facebooks eigenes Werbenetzwerk und erhalten 70 Prozent der Erlöse. Zudem wird ihnen Zugriff auf Statistiken gewährt. Die Möglichkeit für Medien, ihre Inhalte direkt auf Facebook zu monetarisieren und möglicherweise mehr Menschen zu erreichen, hat aber auch einen Preis.
Laut der Meinung vieler Beobachter möchte Facebook die Nutzer immer mehr in sein Netzwerk einbinden und die Besuche externer Seiten möglichst verhindern. Die Befürchtung, Nutzer könnten somit Facebook als zentrale Instanz des Internets oder gar als allumfassende Alternative wahrnehmen, ist dabei nicht von der Hand zu weisen, wie eine Studie zeigt. Darin wurden Menschen befragt, ob sie Facebook und das Internet nutzen. Erstaunlicherweise gab ein nicht unerheblicher Teil der Befragten an, Facebook, aber nicht das Internet zu nutzen, was technisch gar nicht möglich ist.

Die Studie zeigt, dass in Myanmar, Indonesien, Philippinen und Thailand mehr Befragte angaben, Facebook zu nutzen, als das Internet zu nutzen.

Studie zur Internet- und Facebooknutzung: Ein Teil der Befragten gab an, Facebook, aber nicht das Internet zu nutzen, was technisch gar nicht möglich ist. | Quelle: Quartz

Durch die Kooperation der Medien mit Facebook, so der Vorwurf, stellen sie dem Netzwerk noch mehr Inhalte zur Verfügung und stärken so dessen Marktmacht. Auch geben sie Kontrolle an die amerikanische Firma ab, da diese die Bedingungen wie zum Beispiel den Algorithmus, der auswählt, was die Nutzer in ihrer Timeline zu Gesicht bekommen, jederzeit ändern kann.

Jannis Kucharz, Social Media Redakteur beim ZDF, benennt in einem Panel auf der re:publica noch einen weiteren wichtigen Punkt: Für viele Publikationen, deren Kerngeschäft noch immer der Verkauf von Abonnements ist, passe Facebooks Angebot schlicht nicht zum Geschäftsmodell, da die Nutzer hierdurch deren Webseite noch seltener besuchen.

Die großen Internetfirmen aus dem Silicon Valley scheinen in letzter Zeit um die Gunst der Medien zu buhlen. So hat jüngst auch Google bekanntgegeben, mit Verlagen in Europa kooperieren zu wollen. Wohin diese Entwicklung führt, bleibt abzuwarten.