Vor etwa zwei Jahren begannen Felix Betzin und ich, über den Geheimdienst-Untersuchungsausschuss des Bundestages zu podcasten. In der Zwischenzeit haben wir viel über die Abläufe im „politischen Berlin“ erfahren. Ein Lehrstück.

Zwei Jahre, nachdem Edward Snowden geheime NSA-Dokumente an Journalisten weitergegeben hatte, entstand abends spontan eine Idee: Einen Podcast über den Geheimdienst- oder auch NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages ins Leben zu rufen. Eine Woche später konnten die ersten Folgen unseres Podcasts Technische Aufklärung angehört werden, dessen Namen wir einer Abteilung des Bundesnachrichtendienstes entliehen.

Der Untersuchungsausschuss war im März 2014 eingesetzt worden, um aufzuklären, inwiefern Deutschland von den Geheimdienstpraktiken betroffen ist, die in den Snowden-Enthüllungen beschrieben werden. Der von Felix Betzin und mir gegründete Podcast sollte einer überdurchschnittlich interessierten Zielgruppe eine ausführliche und kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen, ohne selbst Zeit für die Sitzungen opfern zu müssen. Damit war es eine Ergänzung zu den wertvollen, aber sehr ausführlichen Mitschriften des Blogs Netzpolitik.org einerseits und den Berichten in Zeitungen und Rundfunk andererseits, die meist nur einzelne Aspekte aufgriffen und mit zunehmender Dauer des Ausschusses auch seltener wurden.

Das Format Podcast eignete sich perfekt, weil es bei anderen Tätigkeiten wie dem Sport oder dem Weg zur Arbeit gehört werden kann. Außerdem finden neue Folgen automatisch ihren Weg auf die Geräte der Hörer, wenn der Podcast mit einer App abonniert wird.

Letzte öffentliche Sitzung: Der Ausschussvorsitzende Patrick Sensburg unterhält sich mit der Zeugin Angela Merkel

Letzte öffentliche Sitzung: Der Ausschussvorsitzende Patrick Sensburg unterhält sich mit der Zeugin Angela Merkel | Foto: Jonas Schönfelder

Wie eine Folge entsteht, ist einfach erklärt: Eine öffentliche Sitzung besuchen, Politikerstatements aufnehmen und mit anderen Beobachtern das Geschehene zusammenfassen. So ergeben sich Folgen von 20 bis 60 Minuten. Um den Produktionsaufwand so gering wie möglich zu halten, verzichteten wir bald auf ein Skript und nahmen die gesamte Sendung direkt im Anschluss an die Sitzungen, meist spätabends oder nachts, im Bundestag oder in der Nähe auf.

Die Menschen, die sich im Schnitt alle 14 Tage auf der Besuchertribüne des Ausschusssaals zusammenfanden und im Podcast zu hören sind, haben sich zu einer festen Gruppe entwickelt. Darunter sind Blogger, Twitterer und Studenten, die an Ausschusstagen bis zu zwölf Stunden lang die Zeugenaussagen verfolgten. Es wurde nicht nur die Konzentrationsfähigkeit auf die Probe gestellt, sondern es galt, relevante von irrelevanten Aussagen zu unterscheiden.

Für uns war das Projekt ein Lehrstück: So erfuhren wir, dass die Hürden, um über aktuelle Bundespolitik zu berichten, sehr niedrig sind und sich Abgeordnete auch Zeit nehmen, mit uns zu sprechen. Auch stellte uns die Selbstverpflichtung, über jede öffentliche Sitzung zu berichten, auf die Probe und andere Termine mussten dem Podcast weichen.

Auch wenn der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss inzwischen beendet ist, kann dieses Projekt als Blaupause für andere Politikbereiche dienen. Mit der Gesprächsaufklärung gibt es bereits einen Ableger, der über den brandenburgischen NSU-Ausschuss berichtet.

Dieser Text entstand ursprünglich für die Preispublikation des diesjährigen Grimme Online Awards, für den wir mit unserem Podcast „Technische Aufklärung“ im vergangenen Jahr nominiert waren. Die Preispublikation hat als inhaltlichen Schwerpunkt das Thema Podcasting, zu dem auch weitere lesenswerte Texte veröffentlicht wurden.